Braucht man denn keinen Wind? Nein! Obwohl die Drachen genau so aussehen, wie die, die man vom Strand kennt, ist dass Material so leicht, dass sie bei einer Spannweite von 2 Metern durchaus weniger als eine Tafel Schokolade (also ca. 100 Gramm) wiegen, die Lenkschnur hat dabei je nach Hallenhöhe eine Länge zwischen 3 und 6 Metern. Damit können die Drachen durch leichten Zug an der Schnur oder Rückwärtslaufen in der Luft gehalten werden. Warum macht ihr das? Eigentlich ist die Antwort ganz einfach: Weil man dadurch unabhängig vom Wetter ist. Wer nicht gerade am Meer wohnt, kämpft oft mit widrigen Windverhältnissen. Außerdem ist das Fliegen im Winter auch nicht gerade gemütlich. Also zogen es vor einigen Jahren ein paar Piloten vor, mit speziellen, zunächst eher kleinen Drachen mit hauchdünnen Schnüren, in eine Sporthalle zu gehen. Daraus entwickelte sich dann nach und nach eine Gemeinschaft, die eigene Wettbewerbe austrug. Durch den Einsatz von sehr leichten Materialien, wie zum Beispiel Icarex-Tuch für das Segel oder speziellen Kohlefaserrohren, konnten die Drachen immer Größer und dennoch leichter gemacht werden. Dadurch wuchs die Vielfalt der Drachen, so dass heute von Einleinern über Zweileinern bis hin zu Vierleinern alle Varianten in der Halle zu finden sind. Was ist das besondere? Im Gegensatz zu Draußen hat man einen Windbereich von 360 Grad. Damit lassen sich Figuren fliegen, die Draußen nicht möglich wären. Durch die extrem kurzen Schnüre kann man außerdem Wurf und Fangmanöver mit einbauen oder - wie einige Vierleinerpiloten - durch die Schnüre springen. Macht ihr auch Wettbewerbe? Bei den von uns durchgeführten Wettkämpfen gibt es zwei Kategorien: die Pflichtfigur und die Kür bzw. das Ballett. Ähnlich wie beim Eiskunstlauf muss der Pilot zunächst eine vorher bekanntgegebene Figurfolge fliegen. Im zweiten Teil kann er dann zu einer selbstgewählten Musik seinen Ideen mit dem Drachen freien Lauf lassen. D.h. hier kommt es darauf an, dass das, was der Pilot zeigt, zur Musik passt. Ähnlich wie beim Eiskunstlauf gibt es natürlich für schwierigere Figuren mehr Punkte aber damit steigt auch die Gefahr eines Absturzes. Somit gewinnt der Pilot, der die richtige Balance zwischen Musikinterpretation und Schwierigkeitsgrad findet. Bei anderen Wettbewerben gibt es daneben noch ein so genanntes Mysterie-Ballett, bei dem der Pilot zu einer ihm unbekannten Musik fliegt. Außerdem kann es auch eine Schnelligkeitsrunde geben, bei dem bestimmte Manöver oder ein abgesteckter Parcours in minimaler Zeit zu bewältigen sind. Und was macht ihr sonst noch? Seit 2003 haben wir bisher sechsmal ein internationales Indoorkiting Event in Kerpen bzw. Erftstadt veranstaltet. Zu diesem Event kommen ca. 50 bis 60 Indoorkiter aus ganz Deutschland, Belgien, Luxemburg und Frankreich und jede Menge Neugieriger. Da werden Wettbewerbe ausgetragen aber vor allen Dingen jede Menge Shows gezeigt. Außerdem besuchen wir immer wieder am ersten Wochenende im Oktober die “Modell-Hobby-Spiel” Messe, wo das Indoorkiting seit mehr als 10 Jahren zum festen Bestandteil der Veranstaltung gehört. Aber wir fliegen nicht nur drinnen, sondern auch draußen. Neben den typischen Lokationen, wie Wiese und Strand, gehört aber auch der Roncalliplatz beim Dom in Köln zu unserem “Revier”. Raphael fliegt auf dem Roncalliplatz